Rede Ministerin Diana Golze

Liebe Unternehmerinnen und Gründerinnen,     

Sie wissen es am besten: Es gibt viele gute Gründe und Motive, sich selbständig zu machen. Sie wollen eigene Ideen verwirklichen, beruflich unabhängig und die eigene „Chefin“ sein, Beruf und Familie besser vereinbaren oder beruflich und persönlich mehr erreichen. Sie alle verbindet, dass Sie für Ihre Idee brennen und dafür viele Hürden gemeistert haben. Sie haben Ihre Marktlücke gefunden und an Ihrem Geschäftsmodell gearbeitet. Sie haben sich mit Buchhaltung, Gewerbe– und Steuerrecht und anderen bürokratischen Erfordernissen und Vorschriften auseinandergesetzt. Sie haben sich um die Finanzierung und Geschäfts- oder Gewerberäume gekümmert, Verantwortung für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getragen und dafür vielleicht auch einige schlaflose Nächte in Kauf genommen.

Dabei haben Sie stets an Ihre Idee geglaubt und sich nicht unterkriegen lassen.   

Auch deshalb ist dieser Tag Ihr Tag. Genießen Sie ihn!

Ich freue mich besonders darüber, dass wir mit der Schinkelhalle einen neuen und größeren, sehr würdigen Rahmen für die heutige Veranstaltung gefunden haben. 

Mit dem Unternehmerinnen- und Gründerinnentag des Landes Brandenburg, der heute bereits zum elften Mal stattfindet, möchten wir Ihr unternehmerisches Engagement und Ihren Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg Brandenburgs würdigen. Bereits jede dritte Gewerbeanmeldung und jede zweite freiberufliche Existenzgründung bei Einzelunternehmen im Land Brandenburg erfolgt durch Frauen. Sie sind zugleich Vorbilder für weitere Frauen, die sich vielleicht beruflich selbständig machen möchten, aber bisher noch nicht den Mut dazu gefasst haben.  

„Frauen. Unternehmen. Zukunft.“ – das ist das – wie ich finde – sehr motivierendes Motto des 11. Unternehmerinnen- und Gründerinnentags (UGT) und des Wettbewerbes zur
„Existenzgründerin und Unternehmerin des Landes Brandenburg 2018“. 


Liebe Gäste,
Arbeitsmarkt und Arbeitswelt unterliegen einem rasanten Wandel: Die Arbeitslosenquote in Brandenburg ist in den vergangenen 15 Jahren von fast 19%  im Jahre 2003 auf 6,5% im April 2018 gesunken. Gab es im Jahresdurchschnitt 2003 noch 253.000 Arbeitslose, so waren es 2017 im Jahresdurchschnitt weniger als 93.000 Arbeitslose. 

Die neuen, aktuellen Herausforderungen vor denen wir gemeinsam stehen, sind der demografische Wandel, vielerorts Lehrlings- und Fachkräftemangel sowie die Frage:
Wer übernimmt den Staffelstab, wenn Unternehmerinnen und Unternehmer in den verdienten Ruhestand gehen. 

Dann beschäftigen uns Themen wie Digitalisierung, Strukturwandel in der Lausitz sowie die möglichst gute Integration von Zugewanderten in den Arbeitsmarkt, die u.a. im Zuge internationaler Krisen und Konflikte, aber auch im Rahmen der Freizügigkeit innerhalb der EU, nach Brandenburg kommen bzw. gekommen sind.

Unternehmens- und Existenzgründungen spielen für die Entwicklung Brandenburgs nach wie vor eine wichtige Rolle, da sie Arbeitsplätze schaffen und Wettbewerb und Innovationen fördern.

Auch das Gründungsgeschehen hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Wir sehen eine Zunahme von Chancengründungen.

Das heißt, weniger Menschen gründen aus Mangel an Perspektiven. Gleichzeitig werden Gründungsvorhaben komplexer und werthaltiger und versprechen damit auch weitere Beschäftigungseffekte. 

Das MASGF unterstützt - in enger Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium - bereits seit den 90’er Jahren berufliche Selbständigkeit als Alternative zu abhängiger Beschäftigung und zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit. Über die Jahre wurde eine in dieser Form bundesweit einmalige, flächendeckende landesweite Beratungs- und Unterstützungsinfrastruktur für Existenzgründerinnen und Existenzgründer aufgebaut. Seit 2001 fördern wir insgesamt 30 Beratungsstellen und Projekte und unterstützen Gründungswillige in Brandenburg auf dem Weg in die Selbständigkeit mit kostenloser und individuell auf ihr Gründungsvorhaben zugeschnittener Beratung, Coaching sowie Qualifizierung. Finanziert wird diese Förderung aus Mitteln des europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg - mit allein rund 40 Millionen Euro in der laufenden EU-Förderperiode 2014-2020.

Dies sind die regionalen Lotsendienste in allen Landkreisen und kreisfreien Städten, die Gründungsservices an allen 8 staatlichen Hochschulen, drei Gründungswerkstätten für junge Leute bis 30 Jahre (eine pro Kammerbezirk); darüber hinaus ein landesweit tätiger Lotsendienst für Migrantinnen und Migranten und das ebenfalls landesweite Beratungsangebot für innovative Gründerinnen und Gründer, „Innovationen brauchen Mut“ bei der Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg.

Weit über 25.000 Gründungswillige in Brandenburg haben seit 2001 von den Angeboten profitiert, über 17.000 von ihnen haben sich mit Hilfe der Lotsendienste, Gründungsservices, Gründungswerkstätten und „Innovationen brauchen Mut“ selbständig gemacht. Mit nachhaltigem Erfolg. 

Im Rahmen einer Evaluation der Lotsendienstförderung in der Förderperiode 2007-2013 stellte das Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung in Halle fest, dass nach einem Jahr immerhin noch 90% der von den regionalen Lotsendiensten betreuten Gründungen am Markt waren (Anm. davon 94% im Vollerwerb und 6% im Nebenerwerb). Auch geht von den unterstützten Gründungen bereits kurzfristig ein spürbarer Beschäftigungsimpuls aus, denn nach einem Jahr waren durchschnittlich 0,6 weitere Beschäftigte in den befragten Unternehmen angestellt.

Aktuell sind über 45% der von den Lotsendiensten, Gründungsservices und Gründungswerkstätten unterstützen Gründungswilligen Frauen.

Fast jede zweite Gründung nach Abschluss der Qualifizierung und des Coachings erfolgt durch eine Frau (48%). 

Einige schöne Beispiele dieser Neugründungen waren in den vergangenen Jahren zu sehen - beispielsweise im Rahmen einer von der WFBB initiierten Wanderausstellung im Land Brandenburg und in der Neuauflage der MASGF-Broschüre „Gut beraten in die Selbständigkeit“.

Ich selbst konnte mich im Gespräch mit Gründerinnen und Gründern - u.a. in Wildau, in Cottbus und hier in Potsdam - von der Arbeit der Lotsendienste und Gründungswerkstätten überzeugen.

Daneben unterstützt das MASGF Neugründungen und Übernahmen innovativer Unternehmen mit neuartigen Produkten oder Dienstleistungen, von denen wir uns besondere Wachstums- und Beschäftigungsimpulse erhoffen, mit dem Zuschussprogramm „Gründung innovativ“ aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Denn gerade jungen innovativen Unternehmen, darunter Ausgründungen aus Hochschulen, fehlt am Anfang oft das nötige Kapital für teure technische Entwicklungs- oder Beratungsleistungen, Investitionen in das Sachanlagevermögen oder Neueinstellungen. Die aber sind notwendig, um an den Markt zu gehen und „durchzustarten“. Mit „Gründung innovativ“ können diese eben genannten Unternehmen einen Zuschuss von bis zu 100.000 Euro erhalten, der nicht zurückgezahlt werden muss. Das Programm wurde zum Jahresbeginn vom MASGF bis 2020 verlängert. 

Aufgrund der sehr hohen Nachfrage und Inanspruchnahme konnten die in der aktuellen Förderperiode 2014-2020 ursprünglich eingeplanten Mittel von 7 Millionen Euro in Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium auf 17 Mio. Euro aufgestockt werden. Auch das Wirtschaftsministerium hilft Neugründungen und jungen Unternehmen mit einer ganzen Reihe von bedarfsorientierten Finanzierungsprogrammen.

Hinsichtlich der Förderprogramme und Unterstützungsaktivitäten stimmen wir uns regelmäßig mit den Kammern und weiteren wichtigen Akteuren wie der Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg sowie der Investitionsbank des Landes Brandenburg ab, die einen Großteil der Förderprogramme im Land Brandenburg umsetzt. 

Gemeinsam mit den anderen Ressorts der Landesregierung haben wir uns 2017 in der Gründungs- und Unternehmensnachfolgestrategie dazu bekannt,  die Förderung von Existenzgründungen fortzusetzen und weiterzuentwickeln. Dazu zählen auch Unternehmensnachfolgen. Hier kommt es darauf an, Unternehmerinnen und Unternehmern dazu zu ermuntern, den Übergabeprozess frühzeitig zu planen und zu organisieren. Denn das ist entscheidend für das Gelingen von Unternehmensnachfolgen. Hierauf wird die Landesregierung ein verstärktes Augenmerk richten. 

Liebe Unternehmerinnen, sehr geehrte Damen und Herren,
als Frauenministerin liegt mir das Thema „Frauen in Führungspositionen“ persönlich am Herzen. Mit einem Anteil von einem Drittel Frauen in Führungspositionen liegt Brandenburg über dem Bundesdurchschnitt von 26 Prozent. Aber hier ist noch Luft nach oben. Gemeinsam mit Wirtschaftsminister Albrecht Gerber habe ich im vergangenen Jahr die Brandenburger Wirtschaftsgespräche mit Unternehmerinnen ins Leben gerufen. Dort diskutieren wir mit Unternehmerinnen darüber, wie es gelingen kann, mehr Frauen für Führungspositionen zu gewinnen und welche Hürden es dabei zu überwinden gilt.

Diese Gespräche verlaufen in sehr offener Atmosphäre, es macht Freude, mit Unternehmerinnen ganz direkt ins Gespräch zu kommen.

So wurde in diesen Runden auch immer wieder betont, wie wichtig eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie dafür ist, noch mehr Frauen für Führungspositionen  zu begeistern. Aber Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist natürlich nicht nur „Frauensache“, denn es geht auch um eine gerechte Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit. Nur so haben Frauen und Männer gleiche Chancen im Erwerbsleben. Mit der Servicestelle Arbeitswelt und Elternzeit fördert das MASGF seit nunmehr zehn Jahren eine praxisorientierte Beratung. Diese richtet sich sowohl an Beschäftigte als auch Arbeitgeber und unterstützt bei der Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Unternehmen und insbesondere in Hinsicht auf einen gelungenen beruflichen Wiedereinstig nach familienbedingten Erwerbsunterbrechungen wie Mutterschutz und Elternzeit.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Unternehmerinnen und Gründerinnen, 
Höhepunkt der heutigen Veranstaltung wird die Verleihung der Preise an die Unternehmerin und die Existenzgründerin des Landes Brandenburg 2018 sein. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle der Expertenjury, die unter der Leitung von Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (ich darf Sie herzlich von ihr grüßen) aus 92 eingegangenen Bewerbungen die Siegerinnen im diesjährigen Wettbewerb ausgesucht hat. 

Bis dahin erwartet Sie aber noch ein abwechslungsreiches Programm. 

Der spanische Maler Pablo Picasso hat einmal gesagt: „Unter den Menschen gibt es viel mehr Kopien als Originale.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie sich selbst treu bleiben, denn das macht Sie und Ihr Unternehmen aus.

Genießen Sie einen wunderbaren Nachmittag und Abend mit vielen Möglichkeiten zum Kennenlernen und zur Vernetzung. 

(Es gilt das gesprochene Wort)