Laudatio Frau Stefanie Rogall und Ulrike Oberthür zur Existenzgründerin des Landes Brandenburg 2016

Stefanie Rogall und Ulrike Oberthür
Kristallkinder Intensivpflege GmbH

  • Sitz: Petershagen
  • Gründungsjahr: 2013
  • Branche: Gesundheit, Pflege
  • Alternative Wohnform für intensivpflegebedürftige Kinder
  • Schließen eine Versorgungslücke in Brandenburg
     

Laudatio

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

der kleine Sohn einer Bekannten ist neulich gefragt worden, ob er denn später Bundeskanzler werden wolle. „Nee,“ hat er geantwortet, „ich bin doch kein Mädchen!“

Jetzt werden Sie sich wundern, warum in aller Welt ich Ihnen diese Geschichte hier und heute erzähle. Ich will es Ihnen verraten: weil das, was in uns steckt, nämlich nicht immer auf den ersten Blick sichtbar ist und Vieles, was offensichtlich scheint, sich auch ganz anders darstellen kann. So ist es z.B. auch mit Kristallen - für sich allein erscheinen sie uns oft eher unscheinbar, blass und farblos. Scheint aber die Sonne darauf, öffnet sich ein Regenbogen an Farben und ein breites Spektrum an verschiedensten Lichtfacetten.

Genau das ist es, was die Preisträgerinnen des diesjährigen Preises für die Existenzgründerin des Landes Brandenburg 2016 antreibt - der Preis wird im Übrigen in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben! Durch ihre Arbeit wollen sie Kindern trotz schwerer, schwerster und lebenslimitierender Erkrankung ein freudvolles und würdevolles Leben ermöglichen.

Das schaffen sie, indem sie die Kinder dort abholen, wo sie in ihrer Entwicklung stehen und ihre Stärken fördern, statt sie auf das zu reduzieren, was sie nicht können. In ihrem Unternehmen erfahren kranke Kinder eine liebevolle, professionelle und ganzheitliche Intensivpflege, pädagogische Förderung und menschliche Umsorgung.

    Und der Bedarf ist da! Schwerstkranke Kinder daheim zu pflegen, stellt die ganze
Familie vor enorme Herausforderungen. Nicht selten stoßen Eltern, die ja immer nur das Beste für ihr Kind wollen, dabei an ihre Grenzen. Eine Alternative zur Versorgung der Kinder Zuhause oder in der Klinik existierte bis dato allerdings nicht. Hier setzen unsere heutigen Preisträgerinnen an: in einer Wohngemeinschaft bieten sie intensiv pflegebedürftigen Kindern vorübergehend oder auch dauerhaft ein Zuhause.

Es war ein langer Weg, auf dem viele Steine beiseite geräumt werden mussten. Nur beispielhaft will ich an dieser Stelle die zähen Verhandlungen mit den Krankenkassen als Kostenträger nennen - wer einmal versucht hat, eine besondere Leistungen über die Krankenkasse finanzieren zu lassen, wird ein Lied davon singen können. Aber sie haben es geschafft, sie haben ihre sicheren Jobs gekündigt, Partnerinnen und Partner von ihrer Idee überzeugt, einen hohen Kredit aufgenommen und damit auch umfangreiche Baumaßnahmen finanziert. Dabei haben sie den kind- und behindertengerechten Umbau hauptsächlich selbständig und mit Unterstützung durch die Familien, Freunde und ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestemmt.

Im Dezember 2013 war es dann soweit: mit Betriebserlaubnis und Zulassung als ambulanter Pflegedienst in der Tasche versorgten die Preisträgerinnen das erste Kind und beschäftigten ihre ersten 3 Mitarbeitenden. Dass es dabei nicht bleiben sollte, ist wohl dem besonderen Engagement dieser Frauen zu verdanken: bis heute haben bei ihnen und ihrer mittlerweile auf 40 Pflegefachkräfte, 2 Pädagogen, eine systemische Beraterin, 2 Reinigungskräfte, einen Hausmeister und 2 Verwaltungskräfte angewachsene Belegschaft 19 kleinen Patientinnen und Patienten eine zweite Heimat gefunden. Andere konnten gestärkt wieder in das elterliche Zuhause zurückkehren.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, das Motto des diesjährigen UGT lautet „Frauen. Stärken. Wirtschaft.“ Ein treffenderes Motto hätte es aus meiner Sicht für die beiden Preisträgerinnen Frau Stefanie Rogall und Frau Ulrike Oberthür mit ihrer Firma Kristallkinder Intensivpflege GmbH aus Petershagen im Landkreis Märkisch-Oderland nicht geben können: als Vorreiterinnen in der außerklinischen Betreuung von Kindern sind sie nicht nur stark, sie machen sich auch stark - für die Belange und Interessen der Schwächsten in unserer Gesellschaft. Liebe Frau Rogall, liebe Frau Oberthür, ich bin persönlich höchst beeindruckt von Ihrem Schaffen und Ihrem Engagement - Sie haben diesen Preis mehr als verdient.

Herzlichen Glückwunsch! Machen Sie weiter so!“

Laudatorin: Monika von der Lippe, Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg